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#8 Ich lebe jetzt im Wald

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Vermutlich kennst du die typische Filmszene, in welcher der Protagonist durch den Flughafen rennt, das Bild plötzlich stoppt und auf einmal eine Stimme aus dem Off erzählt, wie er in diese Situation gekommen ist.

Nun, spulen wir erstmal 24 Stunden zurück. Es ist mein letzter richtiger Tag in Seoul; morgen früh um 5 geht es los Richtung Heimat. Der Transfer zum Flughafen mit der Bahn dauert in etwa 90 Minuten, mit Online Check-In und Self-Service Gepäckabgabe reicht es locker eine Stunde vor Boarding da zu sein.
So dachte ich.
Weder der Check-In (Fehler 009.032, da weiß ja jeder was los ist) noch der Transport zum Flughafen läuft wie gedacht. Problem A: Aufgrund organisatorischer Schwierigkeiten fließt der Schalter rund 45 Minuten früher. Problem B: Die Bahnen fahren erst ab 5.30 Uhr los. Heißt: Wenn ich die Bahn nehme, wird das nix mit pünktlich da sein.
Taxi ist zu teuer, Busse sind hier so eine Sache. Glücklicherweise habe ich mit Hilfe von Nils, Hanni und Bryan einen passenden Bus gefunden, der sogar direkt vor meiner Haustür ohne große Umwege zum Flughafen fährt. Passt.
Ein frühmorgendlicher Schreck, Krise vermieden.

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Letzter Tag, also nochmal ein bisschen was unternehmen. Seoul Forest, im Stadtteil Jeongsu. Also eigentlich ist es nicht mal ein richtiger Wald, sondern ein Stadtpark, schön war es trotzdem. Neben einem Kletterpark und einer Art Freiluftbühne weckte vor allem ein Tisch für Riesen unsere Aufmerksamkeit. Ich frage mich allerdings, wie es der Esstisch der Ingenbleeks in einen Park nach Seoul geschafft hat. Sachen gibt's…
Ich habe es bereits vorher erwähnt: Irgendwas ist hier in der Luft. Man schwitzt wie verrückt, obwohl es absolut nicht heiß ist.

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Danach noch einen kurzen Stop am „Common Ground" eingelegt, eine Art Einkaufscenter gebaut aus Schiffscontainern. Hat definitiv Charme, aber mich ließ das Gefühl nicht los als seien alle Besucher nur wegen der Fotos und Instagram Posts da. Wie quasi überall.

Das letzte Festmahl war dann nochmal was typisch koreanisches. Chicken and Beer. Es ist hier sehr üblich, einen riesen Eimer Chicken Wings mit allen möglichen Geschmacksrichtungen zu bestellen (z.B. Scharf, Sehr Scharf, Honigpanade) und dazu massenweise Bier zu trinken. Bloß hatte keiner von uns so richtig Bock auf Bier. Interessanterweise gibt es dazu geschnittenen Rettich zum Snacken. Das Fresskoma war vorprogrammiert, mit drei Leuten haben wir nicht mal zwei Portionen geschafft.

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Aber da war noch nicht Ende. Wir haben eine asiatische Spielhalle gefunden (die übrigens sehr preiswert war) und mal richtig abgetrommelt. Kennst du noch Outrun? Ein Autorennspiel was durch und durch 80er-Jahre schreit. Dazu gibt's es coole 80er Synthesizer Pop-Musik und eine Fahrt mit dem Testarossa entlang der Küste von Miami. Nur eben in Pixelgrafik.
Irgendwie sind wir später noch in einem VR-Room gelandet. Was ist das? Man mietet sich für eine Stunde (oder mehr) einen Raum, der mit einer Virtual Reality Brille ausgestattet ist. Sieht dann etwa so aus:

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Dort kann man dann beliebig viele Videospiele ausprobieren. Ein Spieler setzt sich die Brille auf und ist sofort in einer anderen Welt, die anderen sehen das gleiche Spiel auf einem Fernseher. Das ist zwar weniger atemberaubend und immersiv, allerdings kann man so dem Brillenträger sagen, falls er gegen eine Wand rennt. Die Brillen zeichnen nämlich nicht nur auf wohin man schaut, sondern auch wie man sich im Raum bewegt. Dieser spezielle Raum war nämlich mit einer besonders guten VR-Brille ausgestattet, die HTC Vive, falls es wen interessiert.
Die Stunde hat auf jeden Fall gereicht, denn zum einen ist es super anstrengend, zum anderen gibt es bisher nur wenige Spiele, die länger als zehn Minuten Spaß machen. So konnten wir uns ein Urteil der Technik machen ohne direkt 900 Euro zu investieren. Mein persönlicher Eindruck: Geiler Scheiß, aber sowohl inhaltlich als auch technisch noch nicht für den Massenmarkt bereit (davon abgesehen, dass man für so ein Setup ungefähr 2000 Euro investieren muss).

Und schon hatte die Stunde geschlagen, meine Zeit in Korea ist vorbei.
Unausgeruht und ohne ein Sekündchen Schlaf machte ich mich gegen 4 Uhr morgens am Folgetag auf zum Airport Shuttle. Die Stadt mal überirdisch zu erleben war nochmal etwas ganz anderes als mit der U-Bahn zu fahren.
Überall fährt man durch Hochhäuserparks, selbst außerhalb der Stadt. Mitten im (vermeidlichen) Nichts sprießen plötzlich Turmsiedlungen aus dem Boden.
Die Autobahnen sind nicht so groß oder breit wie erwartet, da habe ich mit Schlimmerem gerechnet. Nach circa 90 Minuten waren wir am Terminal 2. Zwischendurch dachte ich, der Busfahrer entführt mich und die letzten beiden Gäste. Nachdem er an Terminal 1 die meisten Reisenden abgeladen hatten, fuhren wir nämlich nochmal rund 20 Minuten durchs Nichts.

Um nochmal an die Einführung anzuknüpfen: Weil hier so viel los ist, habe ich fast den Check-In und die Gepäckabgabe verpasst. Nun bin ich aber am Gate angekommen und steige sofort in den Flieger Richtung Heimat. Über Paris nach Amsterdam. Der Trip dauert in etwa 20 Stunden.

… Uuuuuund das waren meine letzten beiden Tage in Seoul. Ich werde aber noch einmal Revue passieren lassen und in meinem nächsten Post die Eindrücke zusammenfassen und euch erzählen, was mir gefallen hat und was nicht.
Bleibt dran und schon mal Danke an alle fürs Mitlesen!

PS: Alle Fotos vom letzten Tag